Zufälliges Gedicht

Osterspaziergang von Johann Wolfgang von Goethe

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück. Von dorther sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flor; Aber die Sonne duldet kein Weißes: Überall regt sich Bildung und Streben, Alles will sie mit Farben beleben; Doch an Blumen fehlt's im Revier, Sie nimmt geputzte Menschen dafür. Kehre dich um, von diesen Höhen Nach der Stadt zurückzusehen. Aus dem hohlen finstern Tor Dringt ein buntes Gewimmel hervor. Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, Denn sie sind selber auferstanden Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht. Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge Durch die Gärten und Felder zerschlägt, Wie der Fluß, in Breit' und Länge, So manchen lustigen Nachen bewegt, Und bis zum Sinken überladen Entfernt sich dieser letzte Kahn. Selbst von des Berges fernen Pfaden Blinken uns farbige Kleider an. Ich höre schon des Dorfs Getümmel, Hier ist des Volkes wahrer Himmel, Zufrieden jauchzet groß und klein. Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

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Gedichte und Poesie

Kaum eine Literaturform hat so eine Leichtigkeit wie Gedichte, und doch sind sie schwerer zu schreiben als alles andere. Gute Verse sind wie ein Tanz – man sieht ihnen nicht an, wie viel Mühe und jahrelange Übung darin stecken. Dichtung ist im wahrsten Sinne des Wortes die sprachliche Verdichtung eines Gefühls.

Gedichte haben immer schon auf ihre subtile Art großen Einfluss auf unsere Alltagssprache genommen und selbst, wer Goethe und Schiller nie gelesen hat, kennt Redewendungen, die sich in Schillers Glocke wiederfinden oder den Reimen aus Goethes Faust entstammen. Die Dichtung ist also allgegenwärtig und in vielen Genres zu Hause.

Die wohl beliebteste Form der Lyrik sind natürlich die Liebesgedichte, denn sie finden immer wieder sehr lebendige Verwendung. Im Buchhandel findet man sie immer an exponierten Plätzen, als Zitate sind sie auf Postkarten erhältlich und selbst als SMS kann man sie inzwischen auf das Handy bestellen, um sie weiter zu verschicken. Romantische Reime erhellen als kleine Botschaften den Alltag, trösten viele Menschen bei Liebeskummer und was sonst sind die Nummer 1 Hits der aktuellen Charts, wenn nicht gesungene Liebesgedichte.

In der deutschen Romantik nehmen ebenso wie in anderen literarischen Strömungen vergangener Jahrhunderte auch die Naturgedichte einen ganz besonderen Platz ein. Das Ersterben und Wiedererwachen der Natur hat die Dichter stets inspiriert und scheint eine einzige Metapher zu sein.

Aber auch Gedichte für bestimmte Anlässe sind und waren immer beliebt. Gedichte zum Geburtstag oder lustige Gedichte, die bei Feiern wie Hochzeiten vorgetragen werden, haben ebenfalls einen festen Platz in der Dichtkunst und oft ist es schwieriger, komisch zu sein, als ernst.

Wer Gedichte selber schreiben möchte, muss aber deswegen nicht gleich über das Talent von Autoren wie Rilke oder Brecht verfügen. Liebe zur Literatur und Freude an der Sprache reichen vollkommen aus, um sich am Gedichte schreiben zu versuchen. Und wer erst Spaß an der Sache bekommen hat und vielleicht mit Versen zum Geburtstag oder einem romantischen Liebesgedicht für den Partner zum Hochzeitstag seine ersten kleinen Erfolge hatte, der wird sich ganz von allein mit dem theoretischen Unterbau befassen, um vielleicht auch einmal einen großen Wurf zu landen, der wieder neue junge Dichter inspiriert.