Alle Gedichte von Gottfried Benn

Biografie von Gottfried Benn

Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 geboren. Auf Wunsch seines Vaters studierte er von 1903 an zunächst Evangelische Theologie und Philosophie, wechselte aber 1905 zum Medizinstudium an die Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin. 1912 promovierte er zum Doktor der Medizin. Nach seinem Abschied aus dem Militär war er in der Pathologie einer Berliner Klinik tätig, wo er zahlreiche Obduktionen durchführte.


Der medizinische Blick auf den Menschen prägte auch Benns expressionistische Lyrik. Der Gedichtband "Morgue und andere Gedichte" von 1912 nahm bereits im Titel Bezug auf ein Leichenhaus und verursachte einen Skandal. Als provozierend, makaber und zynisch wurden vor allem der Blick auf den Menschen als reine Körpermaschine und die Darstellung von deren Verfall in diesen Gedichten von Gottfried Benn empfunden.


Beispielhaft dafür ist das Gedicht "Kleine Aster", das, im Stil einer Leichenrede gehalten, den toten Körper zur Vase für eine Aster macht und ihn so zum Gebrauchsgegenstand abwertet. Die absurd-nihilistische Tonlage Benns mag dabei von Friedrich Nietzsche beeinflusst worden sein.


1914 heiratete Gottfried Benn seine erste Frau Edith Brosin, aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Während des Ersten Weltkrieges wurde Gottfried Benn eingezogen und in Feldlazaretten und einem Krankenhaus für Prostituierte eingesetzt. Die 1917 unter dem Titel "Gehirne" veröffentlichten Rönne-Novellen können, wie die Gedichtsammlung "Fleisch" aus demselben Jahr und vor ihnen die Morgue-Gedichte, als Zeugnisse der radikalen Menschenverachtung gedeutet werden.


1917 wurde Benn außer Dienst gestellt und eröffnete in Berlin eine Praxis für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Er wohnte von Frau und Tochter getrennt, Briefe deuten auf depressive Stimmungen und körperliche Leiden hin. Edith Benn starb 1922.


1922 erschienen auch die "Gesammelten Schriften". In den kommenden Jahren entstanden neben den Essays "Das moderne Ich" und dem Prosatext "Das letzte Ich" zahlreiche Gedichte von Gottfried Benn, die in der Tonlage jedoch weniger radikal und avantgardistisch waren als das Frühwerk und sich eher den lyrischen Konventionen annäherten. Die "Gesammelten Schriften" werden deshalb bisweilen als Schlusspunkt der expressionistischen Werke Gottfried Benns gewertet.


Gottfried Benns Haltung zum Nationalsozialismus war zwiespältig: 1933 und 1934 setzte er sich in Essays für die Nationalsozialisten ein und bemühte sich im kommenden Jahr erfolgreich um die Aufnahme in die Wehrmacht. Bereits 1933 verteidigte er jedoch in seinem Aufsatz "Der Expressionismus" diese literarische Strömung gegen nationalsozialistische Angriffe. Die Publikationen der kommenden Jahre wurden zunehmend kritischer, sodass er seit 1938 einem Schreibverbot unterlag und aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen wurde.


Nach dem Selbstmord seiner zweiten Ehefrau 1945 heiratete Benn im Jahr darauf die Zahnärztin Dr. Ilse Kaul. Seine literarische Karriere bekam im Nachkriegsdeutschland enormen Auftrieb, die "Statischen Gedichte" von 1948, die sich in Ton und Inhalt weit von den Morgue-Gedichten entfernt hatten, fanden großen Anklang. 1951 wurde Gottfried Benn mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet, zwei Jahre später mit dem Bundesverdienstkreuz. Er starb am 7. Juli 1956 an Knochenkrebs.

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