Brautnacht von Joachim Ringelnatz

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste, Sitzt Amor, dir getreu, und bebt, Daß nicht die List mutwill'ger Gäste Des Brautbetts Frieden untergräbt. Es blinkt mit mystisch heil'gem Schimmer Vor ihm der Flammen blasses Gold; Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer, Damit ihr recht genießen sollt.   Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde, Der deiner Gäste Lärm verjagt! Wie glühst du nach dem schönen Munde, Der bald verstummt und nichts versagt! Du eilst, um alles zu vollenden, Mit ihr in's Heiligtum hinein; Das Feuer in des Wächters Händen Wird wie ein Nachtlicht still und klein.   Wie bebt vor deiner Küsse Menge Ihr Busen und ihr voll Gesicht! Zum Zittern wird nun ihre Strenge; Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht. Schnell hilft dir Amor sie entkleiden, Und ist nicht halb so schnell als du; Dann hält er schalkhaft und bescheiden Sich fest die beiden Augen zu.

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