Lustige Gedichte

Die lustigen Gedichte nehmen in der Lyrik einen besonderen Stellenwert ein, da sie in der Regel fern des Elfenbeinturms der höheren Dichtung ein fröhlicheres Dasein genießen als viele andere Gedichtgattungen. Das bedeutet aber nicht, dass lustige Gedichte bei ihrem Autor nicht ebenso viel Können, theoretisches Hintergrundwissen und Rhythmusgefühl erfordern. Sie erreichen nur ein anderes Publikum als die Gedichte, die sich mit schwermütigen Themen befassen oder solche, die ein naturgemäß kleines Publikum haben, weil sie eine bestimmte Vorbildung voraussetzen, um überhaupt verstanden zu werden.

Der bekannteste Vertreter für pointenreiche Gedichte ist im deutschen Sprachraum wohl immer noch Heinz Erhardt, der wohl wenig mit dem Klischee vom verträumten Dichter zu tun hatte, aber mit Worten zu spielen vermochte wie kein Zweiter. Allerdings war Heinz Erhardt wie jeder Dichter ein Kind seiner Zeit. Seine Gedichte sind auffallend unpolitisch und transportieren den unkritischen Wirtschaftswunder-Humor. Andere Dichter wie Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz oder auch Erich Kästner haben unvergessliche komische Gedichte voll menschlicher Wärme geschaffen. Ihre Werke sind jedoch im Dritten Reich Opfer der Bücherverbrennung geworden. Selbst Ringelnatz, der sich für einen unpolitischen Menschen hielt und die NSDAP lange Zeit nicht ernst genommen hatte, hatte nach Ansocht des NS-Regimes einen zu kritischen Humor.

Damit stand Ringelnatz in einer langen Tradition. Heinrich Heine schrieb zahlreiche politische Spottgedichte, die Gattung selbst ist allerdings schon aus dem Mittelalter belegt. Immer waren lustige Gedichte auch ein Weg des friedlichen Widerstands, mit dem sich begabte und weniger begabte Dichter gegen herrschende Verhältnisse zur Wehr setzten und das Volk zum Lachen brachten.

Verwendet werden Spottgedichte bis heute auf der Kabarettbühne, etwas entschärfte humoristische Varianten werden manchmal von Comedians auf die Bühne gebracht. Bei den Poetry Slams, die in den letzten Jahren in immer mehr Städten abgehalten werden, kommen lustige Gedichte, gekonnt vorgetragen, auch immer sehr gut an.

Auch für Familienfeiern, Firmenjubiläen oder Hochzeitsreden werden immer wieder lustige Gedichte verfasst und vorgetragen. Ein lustiges Gedicht vorzutragen ist eine Kunst für sich und erfordert viel schauspielerisches Talent und ein mitreißendes Wesen, denn lustige Gedichte entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie durch einen lebendigen Vortrag in Wechselwirkung mit dem Publikum treten.

Trotzdem muss das „Rohmaterial“, der Text selbst, das richtige Potential mitbringen. Wer selbst gern einmal versuchen möchte, lustige Gedichte zu verfassen, sollte im Hinterkopf behalten, dass eine unerwartete Pointe die größte Heiterkeit erzielt. Ein gutes humoristisches Gedicht kommt „von hinten durch die Brust ins Auge“ und erzielt mit unerwarteter Ironie seinen Erfolg.

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