Herbstgedichte

Das Gedicht über den Herbst ist fast so alt wie die Gattung des Gedichts selbst. Das Thema Herbst bietet viele Möglichkeiten für unterschiedlichste Interpretationsansätze. Zum Beispiel betonen Herbstgedichte mit dem Bild der goldenen Sonne und dem bunten Herbstlaub die Schönheit der Natur, während die Jahreszeit gleichzeitig als erster Schritt in Richtung Winter und der Vergänglichkeit, für die er steht, gedeutet werden kann.

Herbstgedichte waren in der Antike noch nicht sehr verbreitet, da in dieser Epoche vor allem das Drama oder Heldengedichte als wahre Kunst angesehen wurden. Das änderte sich jedoch in späteren Epochen wie dem Barock. Da diese Zeit durch den Dreißigjährigen Krieg geprägt war, thematisierten Autoren vor allem Themen wie Tod und Vergänglichkeit. Da das Motiv des Herbstes sehr treffend für die vergängliche Schönheit ist, nutzen die Barocklyriker auch Herbstgedichte, um ihrem Weltbild Ausdruck zu verleihen.

Eine erneute Hochzeit erlebte das Thema Herbst schließlich im Expressionismus. Auch in dieser Strömung wurden eher hässliche Motive aufgegriffen, die mit dem wahren Ich des Menschen sowie mit dem Elend zu tun hatten, das in den neu entstandenen Großstädten herrschte. Als krassen Gegensatz dazu findet man zeitgleich in impressionistischer Lyrik wunderschöne, ausführliche und bildhafte Darstellungen des Herbstes.

Rainer Maria Rilke ist bekannt für seine Beschreibungen und Deutungen der kleinen, aber schönen Dinge in der Natur, die er nicht selten in Gegensatz zu traurigen Motiven stellte. Er befasste sich in mehreren Gedichten auch mit dem Herbst, der ihm die ideale Vorlage lieferte. Bekannt sind aber auch Gottfried Keller oder Georg Trakl, die ebenfalls dem Expressionismus zuzuordnen sind und Herbstgedichte verfassten. Außerdem auch Theodor Fontane, Emanuel Geibel oder Christian Morgenstern.

Möchte man selbst ein Herbstgedicht schreiben, beginnt die Arbeit damit, sich mit den Aspekten des Herbstes zu befassen und zu entscheiden, welchen davon man thematisieren möchte. Man könnte sich mit der natürlichen Schönheit beschäftigen und darauf eingehen, wie der Herbst die Welt verzaubert und aus ihr einen völlig neuen, einzigartigen Ort macht. Stattdessen kann man aber auch auf das Sterben in der Natur eingehen und Eigenschaften des Herbstes als Möglichkeit nutzen, gesellschaftliche Themen unterschwellig anzusprechen oder allgemein aufs das eigene Menschenbild einzugehen. Herbstgedichte dürfen sich reimen und einer festen Form entsprechen, sie dürfen sich aber auch von dieser festen Formvorgabe trennen oder damit spielen. Mit einer solchen Herangehensweise stellt man sich in die Tradition des Expressionismus, aus dem viele heute noch bekannte Herbstgedichte hervorgegangen sind.

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