Woxikon Gedichte

Gedichte selber Schreiben... So geht's

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, was ein Gedicht ist. „Ist es der Flaum eines Vogels, die Schuppe eines Fisches, das sinkende Blatt einer Rose? Das Winken eines seidenen Tuches, der Seufzer einer Liebesnacht? Der Kuss auf eine verblichene Stirn?“ fragte sich der Dichter Rudolf Hagelstange. Seine Antwort: „Vielleicht ist es dies: ein kleiner Kristall, in dem alles Licht sich gesammelt hat, das unsre Tage erhellt. Eine Träne, die ins feste Gebilde flüchtet, um nicht verloren zu sein. Träne der Freude, Träne der Trauer.“

Diese Vermutung deutet zugleich an, wie viele Anlässe es gibt, Gedichte zu schreiben. Zu allen Zeiten haben Menschen ihre Gedanken und Gefühle in Gedichten verewigt – ob als Hymne, Minnegesang oder Liebeslyrik. Dabei war das Schreiben von Gedichten niemals allein den Dichtern vorbehalten. Denn fast jeder kann Gedichte schreiben und so seine Empfindungen zum Ausdruck bringen. Nicht zuletzt gibt es wohl kein persönlicheres Geschenk als ein selbst geschriebenes Gedicht; sei es anlässlich einer Hochzeit, der Geburt eines Kindes, seiner Taufe, eines Geburtstages oder auch als Abschiedsgruß an einen Verstorbenen. Nicht zu vergessen natürlich das Liebesgedicht für die Angebetete oder den Geliebten.

Wir alle erinnern uns an die eine oder andere Gedichtzeile, die wir in unserer Schulzeit gelernt haben. Denn ein sich wiederholender Rhythmus erleichtert es dem Menschen, sich etwas einzuprägen. Gedichte sind für das Ohr bestimmt und erschließen sich über ihr Klangbild. Die aufeinanderfolgenden Silben der Wörter bewirken eine Abfolge von Hebungen und Senkungen, die wir wahrnehmen. Dieser Rhythmus einzelner Verse unterliegt bestimmten Gesetzen. Doch um Gedichte zu schreiben, ist es nicht erforderlich, sich in die technische Struktur von Gedichten zu vertiefen. Denn es geht nicht um ein blutleeres Schema von Versmaßen. Aus dem Zählen von Silben und dem Wissen um die Verslehre wird kein einziges Gedicht geboren.

Sinnvoller ist es, dem Klang bekannter Gedichte zu lauschen, ihren Rhythmus zu erspüren. Das gelingt am besten beim lauten Lesen. Dabei lässt sich der „Bau“ einer Strophe oder eines Gedichts am einfachsten nachvollziehen. Wichtig ist es, sich mit der Sprachmelodie vertraut zu machen, um anschließend mutig zu experimentieren. Denn letztlich gilt auch beim Gedichte Schreiben: Übung macht den Meister.

Erste eigene Verse können an traditionelle Formen, zu denen auch bekannte Volkslieder gehören, angelehnt werden. Selbst große Dichter haben das getan. Auch das Verfassen von Epigrammen (in Deutschland oft als Sinngedicht bezeichnet) ist eine gute Übung. In ihrer Kürze verdichten sie einen Gedanken auf das Wesentliche. Die hierbei gesammelten Erfahrungen lassen sich beim Fortschreiten zum Schreiben von Strophen und Gedichten nutzen.

Wer Gedichte schreiben möchte und Hilfe sucht, findet diverse Kursangebote. Internetforen zum Thema bieten Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zum Vorstellen der ersten eigenen Gedichte.