Erotische Gedichte

Die Tradition des erotischen Gedichtes reicht weit zurück. Eines der frühesten Beispiele, das Hohelied Salomos, ist in der Bibel zu finden. In der Antike drückten zahlreiche Dichter ihre Gefühle in erotisch angehauchten Gedichten aus. Im Mittelalter gelangte das erotische Gedicht mit dem Minnesang zu einer Blütezeit, die sich im Barock und in der Romantik fortsetzte. Allen diesen Gedichten ist gemeinsam, dass Erotik und Liebe gleichgesetzt wurden. Erst in der Neuzeit wurde mehr Wert auf den rein erotischen Aspekt gelegt, die Wortwahl wurde freier, die Gesamttendenz freizügiger. Stets verleiht diese poetische Kunstform dem Begehren und der Sehnsucht Ausdruck.

Es gibt kaum einen deutschen Dichter in allen Epochen, der in seinem Gesamtwerk nicht auch sinnliche und erotische Gedichte verfasst hat. Bekannte Vertreter, die sich erfolgreich dem erotischen Gedicht gewidmet haben, sind zum Beispiel Celander, Johann Wolfgang von Goethe, Novalis und Theodor Fontane. Hier spielen romantische Gefühle eine große Rolle, doch die Sinnlichkeit der Sprache ist unverkennbar.

Im 19. Jahrhundert traten weitere Dichter für die Erotik in der Kunst ein. Peter Cornelius, Rainer Maria Rilke und Bertolt Brecht brachten in ihren Werken überzeugende Sinnlichkeit zu Papier. Auch hier standen Schönheit, Reinheit und Sehnsucht im Mittelpunkt, die Kunst der Verführung wurde überwiegend nur angedeutet. Neuzeitliche Dichter wie Gottfried Benn und Paul Celan verhalfen dem verführenden Liebesgedicht zu großer Anerkennung. Auch in allen anderen Sprachen spielen Liebe und Erotik eine große Rolle. Namhafte Dichter wie Charles Baudelaire und Francois Villon, John Keats und Emily Dickinson gaben der erotischen Poesie eine unverwechselbare Prägung.

In früheren Jahrhunderten unterlagen Gedichte meist strengen Reimformen. Heute spielt der Reim nur noch eine untergeordnete Rolle. Häufig wird experimentiert, entscheidend ist die Stimmung, die das Gedicht erzeugt. Geblieben ist die angenehme Zurückhaltung im Ausdruck, eine derbe Wortwahl erscheint für diese Kunstform nicht angemessen.

Immer häufiger entwickelte sich das erotische Gedicht in den letzten Jahrzehnten zur Gebrauchslyrik. Denn womit könnte man beim anderen Geschlecht mehr Aufmerksamkeit wecken als mit einem passenden erotischen Gedicht? Wer ein eigenes erotisches Gedicht schreiben möchte, braucht nur wenige Regeln zu beachten. Hier kommt es nicht auf Perfektion an, sondern die Gefühle und Empfindungen stehen im Vordergrund. Anstößige Wörter sollten ebenso vermieden werden wie eine zu blumige Sprache. Wenn das Gedicht ehrlich und authentisch klingt, dann ist es gut gelungen. Es drückt die Verehrung für den begehrten Partner aus und kleidet erotische Wünsche und Gedanken in schöne Worte. Nachdem keine Reimform und kein Versmaß beachtet werden müssen, lässt man am besten die Gedanken frei fließen.

Erotische Gedichte – Leidenschaft und Liebe in der erotischen Lyrik bei Woxikon Gedichte